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Einer der großen pfälzischen Mundartdichter

Geboren wurde Richard Müller am 17.06.1861 in Obermoschel.

Richard Müllers Eltern sind Peter Müller, Gerbermeister und zeitweise auch Bürgermeister der Stadt Obermoschel und Elisabeth Müller, geb. Back, aus dem rheinhessischen Alzey. Ihre Eltern besaßen eine Bäckerei.

Seine Kindheit verbrachte Richard Müller in Obermoschel. Das Geburtshaus befindet sich in der Entengasse am Marktplatz. Hier befand sich auch die Gerberei des Vaters. Eine Gedenktafel erinnert am Anwesen an den großen Sohn der Stadt.

Die Volksschule und die Realschule besuchte Müller allerdings in Alzey, da sich dort die Möglichkeit einer besseren Ausbildung bot. Eine Unterbringung fand er in Alzey bei zwei ledigen Tanten, welche sich um ihn kümmerten.

Eigentlich hätte er danach gerne ein Studium angefangen, an Begabung fehlte es ihm nicht, aber da Richard der einzige Sohn war, drängte der Vater darauf, dass er das Geschäft in Obermoschel übernehme. In Bad Kreuznach absolvierte er schließlich die fachliche Ausbildung im Gerberhandwerk. Seine Militärzeit als Einjährig-Freiwilliger verbrachte er in Zweibrücken.

Mit 28 Jahren heiratet er die 21 jährige Philippine Vogt vom Montforter Hof. Die Ehe bringt die beiden Söhne Karl (1890) und Reinhard (1901) hervor. 1904 baut Müller seine Sandsteinvilla („Loschement“) in der Nähe des Bahnhofs (links neben der ARAL Tankstelle), welche er bis zu seinem Tod bewohnt.

Zu seinen Ehren wurde in Obermoschel in der Synagogenstraße Nr. 14 die „Richard-Müller-Stube“ durch Herrn Franz Jilg aus Schifferstadt eingerichtet, welche eine weitere Sammlung seiner Werke und eine Bronzebürste von Prof. Gernot Rumpf beheimatet.

Bereits mit zwölf Jahren fing Richard Müller an zu schreiben. Mit Gedichten, Novellen, Romanen und kleinen Theaterstücken, in Hochdeutsch verfasst, machte er auf sich aufmerksam. Vor allem für seine Theaterstücke engagiert er sich und bringt sie gemeinsam mit Schulkameraden zur Aufführung.

Irgendwann erkennt er jedoch, dass seine wahre Begabung in der pfälzischen Mundartdichtung liegt und der Nordpfälzer Dialekt seine Heimat ist. In den nachfolgenden Jahren entstehen eine Reihe hervorragender Veröffentlichungen. Darunter u.a. fünf Gedichtbände, vier Lustspiele, drei Romane und zwei Dorfgeschichten, sowie viele Kurzgeschichten und Veröffentlichungen in der lokalen und überregionalen Presse.

1899 wird mit „Hinnerm Dunnersberg – Dichtung in Nordpfälzer Mundart“ Müllers erste Veröffentlichung publiziert. Die Erstausgabe enthält fünfundvierzig Gedichte, wovon 14 in hochdeutscher Sprache geschrieben sind. Im Buchanhang erfolgt noch die Erklärung aller verwendeten Mundartbegriffe ins Hochdeutsche. Bekannteste Werke hieraus sind: „Der Quetschekuche“, „Die Fahneweih“ und „Aus de Parrstunn“.

Das zweite Werk „Pälzer Luscht und Lewe“ folgt um 1902. Es beinhaltet 58 Mundartgedichte, 14 Gedichte in Hochdeutsch und ein Festspiel zum Empfange des Prinzen Ludwig von Bayern auf der Moschellandsburg. Zu den bemerkenswertesten gehören das wohl bekannteste Gedicht von Richard Müller „Iwwerall Palz“, „Buwedings“ oder auch „Er muß! – E Gardinepreddigt“.

„Altes und Neues“ erscheint erstmals im Jahre 1911. Das Buch beinhaltet Gedichte aus den beiden vorgenannten Publikationen und neunundzwanzig neu verfasste, wie „Mein Palz“ und „Pälzer Deitsch“ mit den so oft zitierten Worten „Mein Herz is uff die Palz geeicht“.

„Der Krieg deheem“ erscheint im Jahre 1917. 25 Gedichte umfasst das kleine Büchlein und beschäftigt sich manchmal sozialkritisch teils patriotisch mit dem Thema Krieg.

Nach seinem Tod erscheint „Beim Hahnepeter un annere schöne Sache“. Insgesamt werden hier 57 Gedichte veröffentlich. Herauszuheben wären hier „Beim Zahndokter“ und „Soldatsches“.

Bereits im Jahre 1905 erscheint das wohl bekannteste Werk Müllers „Das Schneidersche vun Mackebach – Ein Dorfidyll in Pfälzer Mundart“. Eine weitere gereimte Dorfgeschichte erscheint 1909 mit „Die Budderbärwel vun Diefethal – Dorfbilder in Pfälzer Mundart“. Die erfolgreichen Büchlein werden sogar in den Jahren 1959 und 1978 nochmals als Zusammendruck aufgelegt und machen Müller weit über die Grenzen der Pfalz hinaus bekannt.

Mit den vier bekannten Lustspielen „Die Borjemeschterwahl“ (1913), „S’ große Loos“ (1924), „Des Wassermüllers Lottsche“ (1923) und „Meister Wollmaus oder die Feschdredd“ greift er so richtig in das volle Leben und charakterisiert seine pfälzischen Landsleute. Daneben veröffentlicht Richard Müller noch drei Romane “s’ Lorchen vom Hof“ (1918), „Die Schneidmüllersbuben“ (1920) und „Der Schluri“ (1924).

Daneben verfasst Müller auch einige Musikstücke. Das wohl bekannteste davon ist das Kinderlied „De Butzebär“, welches im Jahr 1955 von Otto Umlauf vertont wird.

Richard Müller erschöpft seine Mundartdichtung nicht in harmloser Gelegenheitsreimerei oder spaßiger Komik. Er geht in die Tiefe, rührt das wesentliche. Er ist ein Nordpfälzer durch und durch und ein Pfälzer mit Leib und Seele. In seiner Heimat ist er verwurzelt, in der Sprache, wie sie dort gesprochen wird, in der Landschaft, wie sie sich nur dort findet, bei den Menschen, die dort leben. Es sind keine leeren Körper die Müller beschreibt, sondern blutvolle Menschen aus dem Bauern- und Kleinbürgertum, wie aus dem Handwerkerstand, die er in seinen Werken schildert.

Der Heimatdichter ist ein geselliger Mensch. Jeden Abend schnuppert er „e bißche Wirtshausluft“. Er weiß sich auch für die Gemeinschaft verantwortlich. Er ist erst Schriftführer später 1. Vorsitzender des Obermoscheler Militärvereins, sowie Präsident des Nordpfälzer Sängerbundes. In schwerer Zeit übernimmt er auch noch das Amt des Bürgermeisters der Stadt Obermoschel. Der verlorene 1. Weltkrieg, die verworrene Nachkriegs- und Inflationszeit bedrücken ihn sehr. Dazu kommt ein Herzleiden, welches ihm schwer zu schaffen macht.

Am 5. August 1924 verstirbt Richard Müller mit 63 Jahren in seinem „Loschement“ und wird auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Obermoschel beigesetzt. Als Ehrenbürger der Stadt genießt er dort ewiges Ruherecht.

Mit seinem literarischen und mundartlichen Schaffen hat er seiner Heimat ein Denkmal gesetzt und einen großen Dienst erwiesen. Danken wir es ihm damit, dass sein Werk nicht in Vergessenheit gerät.

Text und Fotos: Marco Schäfer

http://obermoschel.de/seiten/richard_mueller.htm 22:05 22.02.2012 Nach oben...